Patientinnen begleiten

Für die Behandlung von Brustkrebs stellen Brustzentren den Patientinnen spezialisierte Pflegefachpersonen zur Seite. Einerseits begleiten diese die Patientinnen durch die verschiedenen Prozesse. Andererseits sind sie das Bindeglied zwischen den beteiligten Fachpersonen und der Patientin. Monika Biedermann hat ein Lehrbuch zu diesem jungen Berufsstand mit herausgegeben.

Vom Brustzentrum geht der Blick weit über eine Berner Parkanlage. Monika Biedermann setzt sich ans Fenster eines Besprechungszimmers. Vor ihr liegt das Lehrbuch «Brustkrebs», das sie mit herausgegeben hat. Quasi druckfrisch. Ein Lehrbuch für Fachleute.

«Ein Buch herausgeben ist besser als jede Weiterbildung»

Monika Biedermann war eine Pionierin, als sie 2004 in der Rolle als Breast Care Nurse (BCN), (Brustpflegefachfrau, BCN) in der Schweiz ihre Arbeit begann. Heute ist diese Funktion ein fester Bestandteil in jedem Brustzentrum. Sie selbst ist Präsidentin des Schweizer BCN-Verbandes.

Da sie bereits an der ersten Auflage des Lehrbuches beteiligt war, wurde sie zusammen mit drei anderen Fachspezialistinnen angefragt, eine komplette Neuauflage herauszugeben.

Für die Arbeit am Buch setzte sie ein halbes Jahr Freizeit ein. Wochenenden, Abende, Ferientage. Es erforderte viel Disziplin und Durchhaltevermögen. Sie erwähnt einen schönen Nebeneffekt: «Ein Buch herausgeben ist besser als jede Weiterbildung. Es ist spannend, aktuellstes Fachwissen wiederzugeben. Was sagt die Forschung? Welche Pflegerichtlinien gibt es international? Welches evidenzbasierte Wissen besteht? Was sind die Vorlieben und Wünsche der Patientinnen?»

Was tut eine Breast Care Nurse?

Erster Kontakt

Es sei ein schwieriger Moment, wenn sie eine Patientin zum ersten Mal siehe, sagt Monika Biedermann: die Patientin erhalte im Gespräch mit der Ärztin die Diagnose Krebs. Ein Schock. Gleich im Anschluss daran setzen sich Patientin und Breast Care Nurse zusammen.

«Ich beginne offen mit ‘Wie geht es Ihnen jetzt mit dieser Diagnose? ’, damit mein Gegenüber ins Erzählen kommt», sagt Monika Biedermann. Die Angst dominiere viele Patientinnen. Sie seien im ersten Moment oft noch sprachlos.

Orientierung geben

«Es sind praktische Sachen, die ich anspreche», sagt Monika Biedermann. Sie erkläre, welche Untersuchungen aufeinander folgten, wohin die Patientinnen gehen und bei wem sie sich melden müssen. Sie leite das Gespräch auf jene Fragen, auf die die Patientin vielleicht noch nicht gekommen sei. Zum Beispiel: Wie sage ich es den Kindern oder dem Partner? Wie organisiere ich mich beruflich? Was muss ich planen? »

Dazu kommt, dass für die meisten das Spitalumfeld Neuland ist. Sie sind froh, wenn jemand sie an der Hand nimmt und die Richtung anzeigt. Und zwar solange, «bis sie sich wieder selbst managen können», wie Monika Biedermann sagt.

Unterstützen

Nach einer schockierenden Diagnose soll eine Patientin nach einer ersten Phase der Desorientierung und Aus-der-Bahn-Geworfen-Sein wieder Tritt fassen. Sie soll die Souveränität über sich und ihr Leben zurückerhalten.

«Hilfe annehmen? Ja, die allermeisten möchten eine Begleitung», sagt Monika Biedermann. Eine Patientin habe einmal geseufzt: «Da sind so viele Berge, die ich besteigen muss! » Sie unterstütze viele Frauen sozusagen beim Hinaufklettern.

Koordinieren

Monika Biedermann sieht jede Patientin mindestens dreimal, einige bis zu 15 mal. Sie kann weitere Spezialistinnen oder Spezialisten für Beratungen hinzuziehen und organisiert Termine, etwa für eine psychoonkologische Begleitung oder arbeitsrechtliche Fragen. Typische Fragen sind: «Haben Sie alles erhalten? Wissen Sie, was als Nächstes folgt? Haben Sie den nächsten Termin erhalten?

Nähe und Distanz

Einfühlsam sein und gleichwohl die richtige Distanz zu Patientinnen haben. Dies gilt für alle in der Pflege. Monika Biedermann hat für sich eine Lösung gefunden. Sie hat Arbeits- und Wohnort getrennt. Vor zehn Jahren zog sie von Bern nach Thun. Und seit Anfang 2020 macht ihr das Pendeln auch noch Spass. Sie hat das E-Biken entdeckt und legt den Arbeitsweg, 30 Kilometer, jeden Tag auf dem Zweirad zurück. (pr)

 

Fernsehtipp: Monika Biedermann gibt Einblick in ihre Arbeit

Das Gesundheitsmagazin «gesundheitheute» strahlt am 12. Dezember 2020 auf SRF1 eine Sendung zum Thema «Brustkrebs» aus. Sehen Sie dort, was die Arbeit einer Breast and Cancer Care Nurse ausmacht. Monika Biedermann erzählt, wie sie Patientinnen mit der Diagnose Krebs begleitet.

SRF1, gesundheitheute: Frauen mit Brustkrebs

Literatur:

«Brustkrebs», Lehrbuch für Breast Care Nurses und Fachpersonen in der Onkologie, 2., vollst. überarb. Aufl. 2020. Eicher, Manuela, Marquard, Sara, Biedermann, Monika, Wiedemann Regina (Hrsg.), Hogrefe Verlag, Bern, 2020. ISBN: 978-3-456-85948-4, 408 Seiten.

«Oft repetiere ich im Gespräch mit Patientinnen, was sie von Ärztinnen erfahren haben.» Monika Biedermann, Brustpflegefachfrau, Brustzentrum»